| Forschungshintergrund |
| Zusammenfassung Ausgangspunkt Dynamik und Komplexität des Forschungsfeldes Vorliegende empirische Untersuchungen Berufspsychologische Theorieansätze Weiterführender Beitrag des Forschungsprojektes Literatur |
Zusammenfassung |
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Ziel des interdisziplinären Forschungsprojektes ist es, mit Hilfe psychologischer Ansätze und Verfahren Erleben und Verhalten von Studierenden und Absolventen der katholischen Theologie im mehrstufigen Prozeß der Berufswahl zu untersuchen, die kirchliche und außerkirchliche Tätigkeitsbereiche umfaßt. Durch systematische Analyse individueller und allgemeiner Bedingungszusammenhänge soll das Verständnis der Berufswege von Theologen verbessert werden. Dies geschieht im Blick auf die in einer Identitätskrise bzw. Identitätssuche stehenden kirchlichen Ämter oder Dienste und angesichts der Fragen nach dem kirchlichen und gesellschaftlichen Stellenwert des akademischen Theologiestudiums in einer Situation kultureller Transformation. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für eine pastoraltheologische Interpretation und Diskussion. Neben der Erweiterung der Kenntnisse von Realisationsbedingungen theologischer Berufe geben sie kirchlichen wie außerkirchlichen Arbeitgebern und Berufsberatern wichtige Informationen über Berufsvorstellungen und Berufserfahrungen von Theologen und liefern nicht zuletzt Orientierungshilfen für die Gestaltung des Theologiestudiums sowie der pastoralen Berufsausbildung.
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Ausgangspunkt |
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Am Ausgang des zwanzigsten Jahrhunderts steht die katholische Kirche in schwierigen inneren Auseinandersetzungen und vor einschneidenden Veränderungen ihrer Außenverhältnisse. Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) hat sie mutige Reformen in Richtung auf ein zukunftsfähiges Selbstverständnis und eine der Situation angemessene Sozialgestalt eingeleitet. Betrachtet man allerdings die seitherige Entwicklung und nimmt die derzeitige Lage in den Blick, so muß man feststellen, daß der anfängliche Optimismus der Nachkonzilszeit verflogen ist und einer eher pessimistischen Stimmung und Situationseinschätzung Platz gemacht hat. Nicht wenige sprechen von einem Umschlag der innovativen Phase in eine restaurative Tendenz.
Von den krisenhaften Such- und Wandlungsprozessen in der Kirche sind die hauptberuflich als Mitarbeiter in Pastoral, Diakonie und Bildungswesen Tätigen (Priester und Laien) besonders stark betroffen. Sie, aber auch die zuständigen Arbeitgeber und Ausbildungsträger, stehen angesichts dieser Situation vor der Notwendigkeit, in einem bisher nicht gekannten Ausmaß sich mit dem kirchlichen Auftrag, seinen geänderten Realisationsbedingungen und sich wandelnden Berufsprofilen, Berufszahlen und Berufsaussichten auseinanderzusetzen. So ist es insbesondere für die Pastoraltheologie, der die kritische Analyse und Reflexion der kirchlichen Praxis in der jeweiligen sozio-kulturellen Situation aufgegeben ist und von der Vorschläge zur Projektierung und Optimierung des kirchlichen Handelns erwartet werden, aber auch für die kirchliche Institution selbst von hohem Interesse herauszufinden, wie die Theologiestudierenden und Absolventen in ihrem Berufswahlverhalten und ihrer beruflichen Praxis mit diesen Fragen umgehen und auf die verschärften Herausforderungen reagieren. Um die damit zusammenhängenden komplexen Fragestellungen zu fokussieren, richtet sich die Hauptaufmerksamkeit innerhalb des beantragten Forschungsvorhabens auf die beruflichen Vorstellungen und Entscheidungen von Theologiestudierenden sowie die Erfahrungen in den ersten Jahren der kirchlichen oder auch außerkirchlichen Berufstätigkeit. Durch die Konzentration auf die für die berufliche Orientierung und Sozialisation besonders bedeutsamen Phasen des Studiums und des Berufseintritts erhoffen wir uns aussagekräftige Befunde über Einstellungen, Erwartungen und berufliches Verhalten dieser Personengruppe. Zur Einordnung des eigenen Vorhabens erscheint zunächst eine knappe Skizzierung der Dynamik und Komplexität des Forschungsfeldes in seiner Beziehung zur kirchlichen Gegenwartssituation und deren mögliche Auswirkungen auf kirchliche Berufsbilder und das Berufswahlverhalten von Theologiestudierenden erforderlich (2.1.1). Die nachfolgende Beschreibung des Forschungsstandes konzentriert sich sodann auf bereits vorliegende empirische Untersuchungen zur Beschreibung der Ausbildungs- und Berufssituation von Theologen (2.1.2). Drittens wird ausgeführt, inwiefern berufspsychologische Theorieansätze zur Beantwortung der Fragestellung herangezogen werden können (2.1.3). In einem Resümee wird viertens dargestellt, wo der weiterführende Beitrag des Forschungsvorhabens für die Klärung der sich stellenden Fragen liegt (2.1.4). |
Dynamik und Komplexität des Forschungsfeldes |
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Die individuelle Studien- und Berufssituation von Theologen und ihre Auseinandersetzung mit der beruflichen Zukunft werden unseres Erachtens erst vor dem Hintergrund des gegenwärtigen, sozio-kulturell bedingten Ringens der Kirche um ein situationsgerechtes, gleichwohl botschaftsgemäßes Selbstverständnis und damit um ihre künftige Sozialgestalt verständlich und zureichend interpretierbar. Darauf deuten bereits vorliegende Statistiken über die Zahlenentwicklung bei Theologiestudierenden und Berufsanfängern im pastoralen Feld hin. Die ohnehin fachspezifisch spannungsreiche Situation von Theologen im wissenschaftlichen Hochschulstudium wird an den Universitäten möglicherweise dadurch verschärft, daß im Kontext der gesellschaftlich-kirchlichen Suchbewegungen und Auseinandersetzungen die Existenz der theologischen Fakultäten infrage gestellt zu sein scheint.
a) Betrachtet man die Entwicklung der Studierendenzahlen im Fach Katholische Theologie der letzten 15-20 Jahre, so zeigen sich auffallende Trends. Überraschenderweise ist eine für alle Studiengänge (Diplom FH, Diplom Universität, Lehramt, Lizentiat, Promotion) nahezu stabil bleibende Gesamtzahl von insgesamt ca. 19.400 Studienfällen zu konstatieren*. Allerdings zeigen die statistischen Übersichten bei den Anteilen in den verschiedenen Universitätsstudiengängen auffallende Veränderungen: 1) Waren die Gruppen der Theologiestudierenden mit Berufsziel 'Priester' und die sogenannten Laientheologen innerhalb des Beobachtungszeitraums 1978-1996 viele Jahre annähernd gleich stark vertreten, so verhalten sie sich inzwischen bei kontinuierlichem Rückgang der Priesteramtskandidaten im Verhältnis 1:2 zueinander. 2) Obwohl der Anteil der Laien unter den Theologiestudierenden seit mehr als 15 Jahren deutlich über 50% liegt und beständig wächst, beträgt der Anteil der Laien im pastoralen Dienst bislang kaum 10%. 3) Im Blick auf die Zahl der Diplom-Studierenden insgesamt (und damit der potentiellen Kandidaten für kirchlich-pastorale Berufe) ist nach einem deutlichen Anstieg Mitte der 80er Jahre bis zu fast 6.500 inzwischen wieder ein Rückgang auf weniger als 4.500 festzustellen (was dem Stand von 1978 entspricht); zugleich ist der Anteil der Kandidaten für das Lehramt nach einer annähernden Halbierung von 1978 (ca. 13.200) bis 1989 (7.850) inzwischen wieder auf ein 2:1-Verhältnis gegenüber den Diplom-Studierenden angewachsen (ca. 12.700 Lehramtskandidaten in 1995). Anknüpfend an diese Befunde läßt sich vorläufig festhalten: Bei gleichbleibend hohem Interesse von Studierenden am Fach Katholische Theologie zeigen sich in den letzten Jahren a) ein deutlicher Trend vom Berufsziel Priesterberuf hin zum Berufsziel Laientheologe, und b) parallel ein starker möglicherweise von den Einstellungshemmnissen für Laientheologen mitverursachter Trend vom Diplomstudium zum Lehramtsstudium. Unter der Annahme, daß diese Befunde in einem Zusammenhang stehen, ließe sich vermuten, daß Katholische Theologie sowohl als Studienfach als auch als Basis für den eigenen Beruf für Studierende eine gleichbleibend hohe Attraktivität besitzt, zugleich aber eine wachsende Distanzierung von stark organisationsnahen, explizit kirchlich-pastoralen Berufen, insbesondere von dem des Priesters, stattgefunden hat. Berücksichtigt man zudem die für eine aussagekräftige Analyse unabdingbare, bisher aber fast völlig vernachlässigte Gruppe der Studienfachwechsler und -abbrecher, so verstärkt sich die Vermutung, daß erhebliche bis dramatische Spannungen zwischen ursprünglichem Berufsziel und tatsächlichem Berufswahlverhalten bestehen. Für die Prüfung dieser Vermutung wird vor allem die Untersuchung der Theologen aufschlußreich sein, die außerkirchlich oder gar nicht beruflich tätig werden. b) Diese erste, noch sehr vorläufige, gleichwohl eindrucksvolle Phänomenwahrnehmung läßt ansatzweise Komplexitätsfaktoren und -strukturen in den Blick kommen, die mit der im Gang befindlichen Suchbewegung und Transformation der Kirche als religiöser Organisation in der modernen pluralistischen Gesellschaft zusammenhängen dürften (Dieses für die kirchliche Wirklichkeit sehr wichtige Thema wird innerhalb der Theologie und in anderen gesellschaftlichen Kontexten eingehend diskutiert und braucht hier nicht eigens vertieft werden. Notwendig erscheint indes, die beruflichen Vorstellungen und Erfahrungen von Theologen mit dieser Thematik in Beziehung zu setzen.): Im Vorfeld, insbesondere aber unter dem Eindruck des II. Vatikanischen Konzils haben sich vielfältige Wandlungsprozesse in der Katholischen Kirche vollzogen, die von einer bis dahin ungekannten Dynamik geprägt waren und auch die kirchlichen Berufsbilder erfaßt haben. Das plurale Selbstverständnis der Kirche, wie es sich in und nach dem Konzil herauskristallisierte, führte zunehmend zu einem kirchlichen Selbstbild, das in Ergänzung und Veränderung des traditionell hierarchisch geprägten Kirchenverständnisses die fundamentale Gleichheit in Würde und Tätigkeit aller Gläubigen in einer dialogwilligen und -fähigen Gemeinschaft betont, die sich als Hoffnungszeichen für die Welt begreift. Als Folge aus einem solchen communialen Kirchenverständnis und der darin neu akzentuierten Verhältnisbestimmung von allgemeinem und besonderem Priestertum sowie der Zuordnung von Amt und Charismen wandelte sich der berufliche Handlungsstil in der Pastoral in tiefgreifender Weise. Entscheidend verstärkt durch den zunehmenden Priestermangel der letzten zwei Jahrzehnte erweiterte sich das Spektrum der kirchlichen Berufe um neue Berufsbilder für Laien im pastoralen Dienst (Gemeindeassistenten/ -referenten und Pastoralassistenten/ -referenten). Dies führte unter anderem auch zu einer wachsenden Pluralisierung der beruflichen Zielorientierungen von Theologiestudierenden. Im Gegenüber zur konziliar initiierten Reformbewegung sind aber verstärkt auch gegenläufige Tendenzen festzustellen, welche die von dem Konzil in der Kirchenkonstitution eröffnete Einbindung der hierarchischen Amtsstruktur in die umgreifende Communio der Kirche wieder zugunsten der hierarchischen Komponente umzukehren versuchen. Anstatt die konziliare Vision der vorgängigen "Gemeinsamkeit in lebendigen Strukturen" (Hilberath, 1997) zu befördern, ist in Abwehr eines befürchteten Wandels der Kirche ein - von Seiten der Theologie vielfach beschriebener - restaurativer Umschwung in der Pastoralpolitik der Kirchenleitungen festzustellen. Im Blick auf den Bereich der kirchlichen Berufe mag in diesem Zusammenhang der Hinweis auf die abgebrochene Diskussion um Zugangswege für Frauen zum Priesterberuf (vgl. Fürst, 1997) und die jüngst vorgenommene restriktive Eingrenzung der Tätigkeit von Laien im hauptamtlichen und ehrenamtlichen pastoralen Dienst in der römischen "Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester" (1997; zur Diskussion des zugrundeliegenden Kirchenbildes vgl. Beinert, 1998a, 1998b) genügen. Die hier nur grob skizzierten Spannungen und Divergenzen in der kirchlichen Gegenwartssituation haben offensichtlich erhebliche Auswirkungen auf die Bestimmung kirchlicher Berufsbilder und die berufliche Orientierung von Theologiestudierenden und verschärfen die ohnehin komplexe Aufgabe pastoraler Identitätsbildung (vgl. Fürst, 1984). Das bereits von Stenger (1988) beklagte zunehmende Auseinanderfallen von Zuständigkeitskompetenz und Fähigkeitskompetenz droht sich auf Kosten personaler und beruflicher Identität von Laien in pastoralen Berufen noch zu verstärken. So trifft das gleichbleibend hohe Interesse vieler Frauen und Männer an der Theologie und - wie einige der unter 2.1.2 zu referierenden Studien (vgl. besonders Friesl, 1996a, 1996b; IKSE, 1975) aufzeigen - an einem pastoralen Beruf in letzter Zeit auf zunehmend eingeschränkte berufliche Realisierungs- bzw. Entfaltungsmöglichkeiten. Diese Entwicklung im öffentlichen Erscheinungsbild der Kirche steht teilweise in Widerspruch zu den oftmals sehr positiven persönlichen Erfahrungen von Kirche in den verschiedenen Lebensräumen der Studierenden (Familie, Gemeinde, Kirchentage, geistliche Bewegungen u.a.) und der im universitären Kontext überwiegend vertretenen Kirchenkonzeption des Konzils. Diese Situation fordert die Studierenden zur intensiven Auseinandersetzung mit den eigenen beruflichen Präferenzen und gegebenenfalls zu deren Anpassung heraus. Dabei erscheint aus pastoraltheologischer Sicht für den kirchlich-pastoralen Beruf gerade derjenige als besonders geeignet, der die beschriebene Spannung zwischen Ideal- und Real-Kirche wahrzunehmen bereit und in den eigenen Prozeß der beruflichen Orientierung konstruktiv einzubinden willens und fähig ist. Die in den bisherigen Befunden beobachtbare Diskrepanz zwischen anfänglichem Berufswunsch und tatsächlichem Berufsweg von Theologiestudierenden läßt nun aber vermuten, daß ein Großteil der Studierenden die beschriebenen Verunsicherungen ihres kirchlichen und beruflichen Selbstverständnisses zugunsten einer nicht-pastoralen, zur kirchlichen Organisation eher in Distanz tretenden Berufswahl zu lösen versucht. Die Annahme, daß dadurch in der gegenwärtigen Wirklichkeit von Kirche potentiell zur Verfügung stehende und für die Bewältigung der angedeuteten kirchlichen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse dringend benötigte Personalressourcen nicht oder nicht optimal genutzt werden und faktisch nicht wenige für den pastoralen Beruf hoch motivierte Frauen und Männer in außerkirchliche oder außertheologische Tätigkeitsbereiche gedrängt werden, bedarf unserer Überzeugung nach der empirischen Untersuchung und einer vertieften pastoraltheologischen Reflexion. c) Theologiestudierende treffen an den Hochschulen, insbesondere an den Universitäten, auf ein wissenschaftliches Selbstverständnis der Theologie, das die biblische Rede von Gott mit Methoden der historisch-kritischen und praxis-kritischen Vernunft zum Gegenstand rationaler Diskurse macht, um auf diese Weise die christliche Glaubensüberlieferung mit dem gegenwärtigen Bewußtsein zu vermitteln. Zu dieser Sicht der Theologie als Glaubenswissenschaft, die ihre einstige Sonderstellung an der Universität längst verloren hat und zu einer Wissenschaft unter anderen geworden ist (Fürst, 1995), in welcher die Wahrheit des Glaubens (an Gott in Christus) die vorwissenschaftliche Voraussetzung, den wissenschaftlich zu untersuchenden Gegenstand und das wissenschaftlich vermittelte und verantwortete Erkenntnisziel zugleich darstellt (vgl. Kasper, 1995), stehen die existentiellen Erwartungen nicht weniger Studierender (etwa die Erwartung einer unmittelbaren Glaubensbestärkung) in erheblicher Spannung (vgl. Engels, 1990; Traupe, 1990). Die fachspezifischen Erschwernisse werden derzeit noch dadurch verstärkt, daß die universitäre Theologie, mitbedingt durch die inneren und äußeren Auseinandersetzungen um Zukunftsgestalt und gesellschaftliche Stellung der Kirche, sowohl kirchlichen als auch gesellschaftlichen Infragestellungen ausgesetzt ist, die sich sowohl auf das wissenschaftstheoretische Selbstverständnis wie auch - insbesondere in Deutschland - auf das spezifische Verhältnis von staatlichen und kirchlichen Ausbildungseinrichtungen beziehen (vgl. Gerhards, 1997 sowie das diesbezügliche Themenheft der Theologischen Quartalsschrift 4 [1991]). In diesem spannungsreichen, existentiellen wie institutionellen Kontext findet die Auseinandersetzung um die berufliche Zukunft der Theologiestudierenden ihren potentiellen Ort, da die theologischen Fakultäten den ihnen zugeschriebenen Auftrag der Ausbildung von Geistlichen, anderen Bediensteten der Kirche sowie von Religionslehrern bzw. -lehrerinnen erfüllen (Hollerbach, 1995). |
Vorliegende empirische Untersuchungen |
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In der Vergangenheit sind schon verschiedentlich Versuche unternommen worden, eine auf empirische Methoden gestützte Bestandsaufnahme über die Ausbildungs- und Berufssituation von Theologen vorzunehmen:
An erster Stelle sind die beiden im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von Schmidtchen (1973, 1975) in Verbindung mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführten Umfragen unter Priestern und Priesteramtskandidaten in Deutschland zu nennen. Unter dem Eindruck des II. Vatikanischen Konzils und zur Vorbereitung der Würzburger Synode versuchen sie, die Einstellungen von Priestern und Priesteramtskandidaten zu ihrem Beruf, ihr Selbstverständnis und ihre subjektive Standortbestimmung in Kirche und Gesellschaft zu erfassen. Im gleichen Kontext steht die Untersuchung des Instituts für Kirchliche Sozialforschung des Bistums Essen (IKSE) (1975), welche die erstgenannten Studien um die Erkundung des Selbstverständnisses und Berufsbildes von studierenden Laientheologen ergänzt. An die Ergebnisse der IKSE-Studie knüpft Gartmann (1981) an und befragt berufstätige Laientheologen in kirchlich-pastoralen Tätigkeitsfeldern. Gemeinsam ist diesen vier Fragebogenuntersuchungen, daß sie primär (pastoral-)soziologisch und deskriptiv orientiert sind. Sie liefern eine Vielzahl von Informationen zu der sozialen Herkunft, den Studienerfahrungen sowie den Einstellungen zur Kirche und kirchlichen Berufen. Bei der Interpretation der Ergebnisse werden z.T. studienübergreifende Vergleiche zwischen studierenden und berufstätigen Theologen bzw. zwischen Klerikern und Laientheologen vorgenommen. Gerade in diesem Zusammenhang werden Problembereiche deutlich, wie z.B. die Überschneidung beruflicher Interessen von Laientheologen mit priesterlichen Tätigkeitsfeldern oder die ausgeprägten Reformbestrebungen (junger) Priester und Laientheologen, die auch in den folgenden Jahrzehnten die theologische und kirchliche Diskussion bestimmten und auch Gegenstand der eigenen Studie sein werden. Im Gegensatz zu diesen Studien, die mit umfangreichen Stichproben oder als Kompletterhebungen in allen deutschen Bistümern durchgeführt wurden, beziehen sich Hochstaffl und Ruland (1992) lediglich auf Absolventen der katholischen Fachhochschule Paderborn. Zwar belegt diese Befragung eine relativ hohe Arbeitszufriedenheit der Gemeindereferenten, zeigt aber zugleich die außergewöhnlichen Belastungen in der Berufseinstiegsphase auf. Pfau (1979) beschränkt sich auf die Pastoralreferenten der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Bei dieser Personengruppe werden die jeweiligen Aufgabenbereiche, das Verhältnis zur Gemeinde und dem vorgesetzten Pfarrer, die Rolle der eigenen Spiritualität, die Auswirkungen der beruflichen Tätigkeit auf Partnerschaft und Familie und schließlich die beruflichen Zukunftswünsche erhoben. Besonders interessant für die Diskussion um eine kooperative Pastoral ist die Erfassung des Images des damals noch jungen Berufes des Pastoralreferenten bei den vorgesetzten Pfarrern. In ähnlicher Weise und ebenfalls nur bei einer sehr kleinen Stichprobe versucht Kaupp (1992) das Bild, das sich Pfarrer und Gemeindemitglieder von dem Beruf des Pastoralreferenten machen, mit den Vorstellungen der Pastoralreferenten selbst zu vergleichen. Dabei wird die theologische Kirchenbilddebatte in Fragenkomplexe zu den vorherrschenden Rollenverständnissen von Gemeinde, Laien im pastoralen Dienst und Priestern übersetzt. Im Ergebnis bestätigt sich die These, daß viele Gemeindemitglieder den Priester als Inbegriff von Kirche sehen und weder ihr eigenes Kirchesein hinreichend realisieren noch das seelsorgliche Handeln von Laien im pastoralen Dienst als gleichwertig mit dem Tun der Priester begreifen. Dieser Befund, der in das Zentrum pastoraltheologischer Diskussion trifft, wird in dem vorliegenden Projekt insoweit aufgegriffen, als Seelsorgeverständnis und zugrundeliegendes Kirchenbild in das berufliche Selbstkonzept eingehen. In einer methodisch gründlich angelegten Fragebogenuntersuchung bei Studierenden der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg (Köhler & Schwaiger, 1996) bildet die Studieneingangsphase den Schwerpunkt des Forschungsinteresses. Im Mittelpunkt stehen soziodemographische Eigenschaften, Studienbeweggründe, Erwartungen gegenüber dem Studium und Berufsvorstellungen sowie die (mit einem Eindrucksdifferential erhobenen) Einstellungen zu ausgewählten Schlüsselkonzepten ("Gott", "Glaube", "Kirche", "Theologie", "Wissenschaft") von Studienanfängern und viertsemestrigen Studierenden. In bezug auf das favorisierte Kirchenbild dominieren Konnotationen wie "verantwortungsvoll", "sozial", "persönlich", "warm" und "aktiv", kritisiert wird eine als "dogmatisch", "konservativ", "ernst", "unzeitgemäß", "gespannt" sowie "stolz" charakterisierte Kirche. Durch die Heranziehung einer Vergleichsstichprobe von Studierenden der Psychologie und der Rechtswissenschaften werden die Kennwerte auf die für Theologiestudierende typischen Aspekte hin untersucht. Kritisch anzumerken ist die geringe Stichprobengröße und die Beschränkung auf die Phase des Studienbeginns. Letzteres gilt auch für die wichtige Untersuchung von Ziebertz (1996), der nach einer breiten Einführung in die theologische Debatte um die Gestalt der Kirche versucht, die Einstellungen der Studienanfänger im internationalen Vergleich (Deutschland, Niederlande, Belgien) zu einer eher hierarchisch oder eher demokratisch orientierten Kirche zu erheben. Bei diesem empirisch-theologischen Beitrag zur Diskussion um Reformen in der Kirche zeigt sich, daß bei den Theologiestudierenden erhebliche Spannungen zwischen der Wunsch- und Wirklichkeitskirche bei gleichzeitig hoher (kritischer) Verbundenheit mit der gegenwärtig vorfindlichen Kirche bestehen. In einer klinisch-psychologisch orientierten Untersuchung fragt Jacobs (1994), inwiefern kritische Lebensereignisse (Seminareintritt, Diakonenweihe, Gemeindepraktikum, Priesterweihe) das psychische Wohlbefinden von Theologiestudenten eines Priesterseminars beeinflussen. Dabei stützt der Autor sich in seiner theoretisch wie methodisch sorgfältig angelegten Studie auf Konstrukte wie "Soziales Netzwerk" und "Soziale Unterstützung" und setzt diese mit Persönlichkeitsmerkmalen und Belastungsverarbeitungsstrategien ("Soziales Coping") in Verbindung. Bei den Ergebnissen zeigt sich, daß die untersuchten Seminaristen sich bezüglich ihres Kontaktfeldes nicht von der Vergleichsgruppe der Laientheologen unterschieden und von stabilen sozialen Beziehungen in dieser Phase des raschen Wechsels der beruflichen Rolle und der Lebensorte besonders profitieren konnten. Schließlich ist auf die pastoralsoziologische Studie des Instituts für Pastoraltheologie der Universität Wien zu verweisen: Ansetzend bei der beschriebenen Krise des Priesterberufs, den unklaren Berufsprofilen von Laien und der Zunahme der Tätigkeit von Theologen im außerkirchlichen Bereich werden Theologiestudierende (Friesl, 1996b) und Theologieabsolventen in Österreich (Friesl, 1996a) zu ihren Studien- und Berufslaufbahnen, der Relevanz des Theologiestudiums für den Beruf, der privaten Lebenssituation sowie zu ihrer kirchlich-religiösen Einstellung bzw. Praxis befragt. Dabei zeigt sich als markantes - und das eigene Forschungsvorhaben in besonderer Weise motivierendes - Ergebnis, daß sich zwar viele Theologiestudierende für eine berufliche Zukunft im pastoralen Dienst interessieren, aber nur wenige schließlich diesen Beruf - sei es als Priester oder Laie im pastoralen Dienst - ergreifen. Als Hintergrund dieses Befundes erörtert Friesl (1996b) die theologische und kirchliche Diskussion um den Status der Laien und plädiert für eine Überwindung der scharfen Abgrenzung von Klerikern und Laien in der Pastoral durch eine konsequente Umsetzung der Communio-Theologie des II. Vatikanischen Konzils, die in Veränderungen der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt, den z.T. bereits praktizierten kooperativen Seelsorgemodellen und einem neuen Verständnis von Gemeindeleitung wichtige Ansatzpunkte findet, gleichzeitig aber auch über sie hinausweist: Gerade die krisenhafte Gegenwartssituation böte demnach die Chance für Laientheologen, als integraler Teil der ganzen Gemeinde und als prophetische Kraft in der pluralen und weithin säkularisierten Gesellschaft ihr spezifisches Profil zu entfalten. Bezogen sich die bisher genannten Studien auf katholische Theologen, so zeichnet ein umfangreiches Projekt des Fachbereichs Theologie der Universität Göttingen und der Pastoralsoziologischen Arbeitsstelle Hannover die Studienmotivation und Studienverläufe für den protestantischen Raum nach. In dieser Längsschnittuntersuchung mit Erhebungswellen im Studium und in der Phase des Berufsbeginns geht von Engels (1990) der Frage nach, ob und wie religiöse Identität, Studienverlauf und Religiösitätsveränderungen sich wechselseitig beeinflussen. Den Theoriehintergrund bildet ein um tiefenpsychologische Perspektiven erweiterter Symbolischer Interaktionismus. Die Studierenden werden nach Religiositätstypen ("fromm", "liberal", "indifferent") differenziert, die sich bei der Verarbeitung der studienprägenden Spannung zwischen biographisch erworbener Religiosität und theologisch-kritischer Reflexion charakteristisch unterscheiden sollen: Hiernach kommt es sowohl zu typenkonformen (harmonischen) wie zu typenvariablen (krisenhaften) Studienverläufen, die in ein mehr oder weniger problematisches Verhältnis zu berufspraktischen Rollenanforderungen münden. Traupe (1990) legt im gleichen Projekt den Schwerpunkt auf die Aussagen zum Kirchenbild, das insbesondere auf die Frage einer konfessionellen oder ökumenischen Kirche abhebt. Sind die Befürworter der beiden Positionen zu Studienbeginn annähernd gleich vertreten, so verschiebt sich das Gewicht im Studienverlauf leicht zugunsten der ökumenischen Orientierung und gleichzeitig wächst der Anteil der Unentschiedenen. Im weiteren wird der Frage nachgegangen, ob von den Theologiestudierenden die Kirche eher als soziale Gruppe, die sich um existentielle Fragen müht, als rituelle Gemeinschaft (Kirche als um den Gottesdienst versammelte Gemeinde) oder in ihrem mystischen Charakter gesehen wird. Dabei wurde deutlich, daß sich erhebliche Ernüchterungen hinsichtlich der empirischen Gestalt von Kirche im Verlauf des Studiums ergaben. Die Ergebnisse unterstützen unser Vorhaben, berufliche Selbstkonzepte in ihrem prozeßhaften Charakter und damit längsschnittlich untersuchen zu wollen. Die vorliegenden Studien im deutschsprachigen Bereich liefern eine Reihe von interessanten Einzelinformationen, jedoch gibt es bisher keine Untersuchung, die das Berufswahlverhalten von katholischen Theologen und Theologinnen in Deutschland einschließlich der Studienabbrecher sowohl im kirchlichen als auch im außerkirchlichen Bereich über einen bestimmten Zeitraum im Längsschnitt systematisch verfolgt und dabei die beschriebene Dynamik und Komplexität des Forschungsfeldes (vgl. 2.1.1) hinreichend berücksichtigt. Die bisher angestrengten Studien stoßen unserer Ansicht nach an deutliche Grenzen, die eine weitere Untersuchung als unbedingt notwendig erscheinen lassen:
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Berufspsychologische Theorieansätze |
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Berufswahl stellt sich aus der Sicht gegenwärtiger Berufspsychologie nicht als ein einmaliges, für die Person auf einen bestimmten Zeitpunkt beschränktes Ereignis dar. Vielmehr sind die beruflichen Wahl- und Entscheidungsprozesse erfahrungs- und zeitabhängig (vgl. Minor, 1992), stehen in enger Verbindung mit zahlreichen Determinanten (vgl. Allehoff, 1985; Kahl, 1981; Kleinbeck, 1975) und dem Verlauf der persönlichen Entwicklung (z.B. hinsichtlich Fähigkeiten, Interessen, Selbstkonzept), so daß sie mehr oder weniger starken Veränderungen unterworfen sein können. In einem solchen Sinne versteht Super (erstmals 1953) Berufswahl als berufliche Entwicklung und verbindet die berufliche Laufbahn (Super, 1957) mit der "Lebenslaufbahn", wonach die Entscheidung für eine bestimmte berufliche Ausbildung oder Tätigkeit von existentieller Bedeutung für die spätere Lebensgestaltung ist. Dies dürfte für Theologen in ganz besonderem Maße zutreffen, nimmt die Berufsfrage doch sowohl innerhalb der theologischen und kirchlichen Diskussion (vgl. 2.1.1), als auch in der eigenen Auseinandersetzung (vgl. 2.1.2) einen breiten Raum ein.
Orientierungsgrundlage für einen solchen Entscheidungsprozeß sind nach Super (vgl. auch Gouws, 1995; Super, 1992, 1995; Super, Sharishevsky, Maytlin & Jordaan, 1963; Super, Osborne, Walsh, Brown & Niles, 1992) einerseits das (berufliche) Selbstkonzept einer Person, zusammengesetzt u.a. aus persönlichen Interessen, Präferenzen und der subjektiven Bedeutsamkeit bestimmter "Lebensrollen", sowie andererseits die spezifischen Berufskonzepte, die als subjektive Repräsentationen konkreter Berufsfelder und -tätigkeiten bestimmt sind. Inwieweit eine berufliche Entscheidung zu einem bestimmten Zeitpunkt realitätsadäquat ausfällt, hängt nach Super von einer Reihe von Bedingungen ab: Ein wichtiger Bedingungskomplex betrifft die "Berufswahlreife" (Super, 1953; später als "career maturity I" bezeichnet; vgl. Savickas, 1992; Super et al., 1992), die als Bereitschaft und Fähigkeit, phasenspezifische Entwicklungsaufgaben effektiv bewältigen zu können, begriffen wird (vgl. Seifert, 1989). Sie betrifft Planungsaktivität und Zeitperspektive, Informiertheit über die beruflichen Alternativen sowie eine entsprechende Entscheidungskompetenz und Realitätsorientierung. Während sich die einschlägigen Forschungen ursprünglich schwerpunktmäßig auf die Berufswahlsituation von Jugendlichen beim Übergang von der Schule in Ausbildungsberufe bezogen, wurde später mit der Ausdehnung der Theorie auf die Lebenslaufbahn unter dem Einfluß entscheidungstheoretischer und stresstheoretischer Ansätze das Konstrukt der Berufswahlreife um die "Berufliche Anpassung" (als "career maturity II") ergänzt, verstanden als die Bereitschaft und Fähigkeit, die durch die berufliche Tätigkeit und die Arbeitsbedingungen hervorgerufenen Anforderungen zu bewältigen (vgl. Betz, 1988; Lent & Brown, 1996; Savickas, 1994; Super et al., 1992). Daraus folgt zunächst, daß sich der Prozeß der individuellen "Berufswahl" als eine Folge von berufsrelevanten Entscheidungen in kritischen Situationen des Lebenslaufs begreifen läßt, bei denen jeweils selbstbezogene Informationen (Selbstkonzept eigener Fähigkeiten, Interessen, Ziele, Wertorientierungen, Lebenspläne u.a.) mit den relevanten subjektiven Repräsentationen möglicher Berufsfelder verglichen und in eine entsprechende Entscheidung umgesetzt werden. Obwohl der umfassende Ansatz von Super, der hier nur verkürzt dargestellt werden konnte, für das eigene Untersuchungsmodell (vgl. 3.1) zentrale Konstrukte anbietet, greift er bei dem für uns besonders bedeutsamen Aspekt der Berufsentscheidung, insbesondere im Hinblick auf die relevanten Aspekte der Berufs-Entscheidung noch zu kurz. Super (1992) weist selbst darauf hin, daß das Modell entsprechend ergänzt werden sollte, um den Prozeß der Entscheidung angemessen abbilden und erklären zu können. Auf dem Hintergrund der pastoraltheologischen Analyse des Forschungsfeldes (vgl. 2.1.1) und nach den bisherigen Ergebnissen von empirischen Untersuchungen bei Studierenden der Theologie (vgl. 2.1.2) spielen dabei vor allem folgende Bedingungen eine wichtige Rolle: Berufliche Interessen und Präferenzen im Hinblick auf verschiedene inner- und außerkirchliche Tätigkeitsfelder, wobei hier die Einstellungen zur Kirche als Organisation und (potentiellem) Arbeitgeber (Wunschbild vs. Realbild) besonders relevant sein dürften. Ferner allgemeine Wertorientierungen und Lebensplanung sowie deren Kompatibilität mit den subjektiv wahrgenommenen beruflichen Möglichkeiten und Anforderungen. Weiterhin wird angenommen, daß religiöse und kirchliche Einstellungen sowie die religiöse Praxis für die berufliche Entscheidung relevant sind, ebenso das Erleben der Studiensituation. Empirisch nachgewiesen wurde die Bedeutung normativer Vorstellungen der Herkunftsfamilie (Fouad, 1994), von Freunden, Kommilitonen und Kollegen sowie anderer wichtiger Bezugspersonen, wobei hierfür ergänzend die Bereitschaft, sich solchen normativen Anforderungen zu unterwerfen, zu erfassen ist. Nicht zuletzt dürften die wahrgenommene Selbstwirksamkeit und Kontrollerwartung (Lent & Brown, 1996) im beruflichen Entscheidungsprozeß, sowie die subjektive Verfügbarkeit alternativer beruflicher und außerberuflicher Lebensabschnittskonzepte eine wichtige Rolle spielen. Geht man davon aus, daß berufsrelevante Entscheidungen Problemlösungsprozesse sind (vgl. Tiedeman & Miller-Tiedeman, 1984), dann setzt dies das subjektive Gewahrwerden eines Problems voraus, mit dem man sich auseinanderzusetzen hat (Brown, 1961). In qualitativen Studien (vgl. 2.2.3 und 3.1 bzw. 3.2) sollen daher bei den verschiedenen Teilstichproben kritische Situationen erfragt werden, die zu einem Nachdenken über die Richtigkeit der bisherigen Berufswegplanung veranlaßt haben. Die Inhaltsanalyse solcher subjektiv erlebter kritischer Situationen liefert wichtige Hinweise für die Bedingungen, über sich selbst und seinen Lebensweg nachzudenken (vgl. hier auch die Studie von Jacobs, 1994). Besonders informativ erscheint hier der Vergleich von verschiedenen Teilstichproben als Querschnittanalyse, also von Personen, die unmittelbar am Anfang des Studiums stehen und damit eine erste Entscheidung getroffen haben, und solchen, die wichtige Berufsentscheidungen bereits vollzogen haben. Dabei ist auch denkbar, daß einige der Studierenden im Untersuchungszeitraum keinerlei Veranlassung sehen, irgendwann ihre ursprüngliche Entscheidung für eine bestimmte Berufslaufbahn (z.B. Priester) zu überdenken oder zu revidieren. Die Untersuchung von Engels (1990) zum Sozialisationseinfluß des Theologiestudiums hat zumindest in bezug auf die eigene Religiosität solche typenspezifischen Verläufe aufgezeigt. Möglicherweise lassen sich auch im Blick auf den Berufswahlprozeß verschiedene, mehr oder weniger konflikthafte Auseinandersetzungsweisen finden. Untersuchungen zum Zeiterleben bei Hauptschülern, Realschülern und Gymnasialschülern (vgl. Tismer 1988) und bei Psychologiestudierenden (Schneider, 1996) belegen darüber hinaus, daß nicht das Lebensalter, sondern die Nähe bzw. Distanz zum Zeitpunkt der Notwendigkeit einer Entscheidung (nämlich Ende der Schulzeit oder des Studiums) für die Konkretisierung von Plänen hinsichtlich der späteren Berufstätigkeit wichtig sind. Vieles spricht dafür, daß erst die genauere Kenntnis der tatsächlichen Handlungsfolgen nach der Realisierung einer Entscheidung eine Korrektur erforderlich macht. Von zentraler Bedeutung für die vorliegende Fragestellung ist daher die Erfassung der Bedingungen individueller berufsrelevanter Entscheidungen, die sich nicht auf den Zeitpunkt der Entscheidung zum Theologiestudium beschränkt, sondern zumindest den Zeitraum des mehrjährigen Studiums und die ersten Jahre nach Studienabschluß mitberücksichtigt. |
Weiterführender Beitrag des Forschungsprojektes |
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Die Berücksichtigung der Vielschichtigkeit der Thematik im geplanten Forschungsprojekt führt über eine bloße Beschreibung der Einstellungen und des Verhaltens von Theologen in der beruflichen Auseinandersetzung weit hinaus. Sie reflektiert die Phänomene im Kontext kirchlicher Praxis und deren mögliche Weiterentwicklung. Um theoretisch wie empirisch fundierte Aussagen machen zu können, bedient sich die Pastoraltheologie als theologische Handlungswissenschaft mit ihren methodischen Grundschritten von "Situationsanalyse", "theologischer Deutung und Normierung" und "Handlungsimpulsen" nicht allein theologischer Zugänge, sondern auch der Analysen und Einsichten der Human- und Sozialwissenschaften (Fuchs, 1984; Zulehner, 1989-1990). Das vorliegende Forschungsvorhaben ist somit zugleich ein Beispiel für die Ergänzung der Praktischen Theologie durch die empirische Methodologie im Sinne der inter- bzw. intradisziplinären Arbeitsweise (Ven, 1990). Mit ihrer Hilfe kann es gelingen, die empirisch erhobene, faktische (Sozial-)Gestalt der Kirche - hier im Bereich der Berufe von Theologen - unter dem Aspekt ihrer symbolisch-sakramentalen Relevanz oder auch Problematik für den auszulegenden Gehalt der Glaubensbotschaft des Evangeliums zu befragen. Dies soll dazu beitragen, in der pastoralen Praxis diese Gestalt sinngemäß, d.h. gleichermaßen ursprungs- und situationsgerecht, fortzubilden (Fürst, 1986, 1996). In unserem Zusammenhang bedeutet dies nicht zuletzt, die beruflichen Erwartungen und Realitäten auf das erforderliche und mögliche communiale und kooperative Miteinander von Priestern und Laien hin zu überprüfen.
Das vorgelegte Forschungsprojekt geht mit diesem Selbstverständnis pastoraltheologischer Forschung, das innerhalb des beantragten Vorhabens durch die Kooperation mit der psychologischen Fachdisziplin entscheidend unterstützt wird, über die bisher vorliegenden Ansätze deutlich hinaus und verspricht einen hohen Erkenntnisgewinn. Unter Berücksichtigung der Komplexität des Forschungsfeldes soll erstmals eine berufspsychologisch-theoretisch fundierte und empirisch-methodisch gründliche Verlaufsstudie zur Entwicklung beruflicher Vorstellungen und deren Umsetzung in kirchlichen und außerkirchlichen Berufen durchgeführt werden. Ihre Ergebnisse werden auf dem Wissenshintergrund der beteiligten Disziplinen zu diskutieren sein. |